Nach Gesetzgebung und Bundesschließung (Exodus.20-24) kommt ein Abschnitt, der den gefallenen Menschen leicht überfordert: kapitellange Ausführungen zu Ausstattung und Einrichtung des Heiligtums und Kleidung und Weihe der Priester.
Wie viel leichter lässt sich über die „moralischen“ Gesetze diskutieren. Und selbst wenn sie irritieren, kann man sie mit Interesse lesen.
Aber dem ernsthaften Israeliten muss nach der Vorstellung des Gesetzes auch die Frage gekommen sein, wie dieser Bund jemals Bestand haben kann, wenn jede Übertretung einen Bundesbruch darstellt.
Und an dieser Stelle kommen die Gesetze ins Spiel, die in der Regel etwas abschätzig als „Zeremonial-Gesetz“ bezeichnet werden – als ginge es um eine bloß äußere Ordnung, der man gerecht wird, indem man sie korrekt einhält.
Es geht in diesen Geboten und Vorschriften um die Abbildung des Himmels und eine Versinnbildlichungen des Heils, wie Gott es Mose auf dem Berg Sinai gezeigt hat (2.Mose 25,9+40 u.v.a., Hebr.8,5).
Es ist aber mehr als ein Abbild, denn ein reines Abbild versucht dem Urbild nur möglichst ähnlich zu sein, während die Ordnungen z.B. in 2.Mose 25ff über sich hinaus auf das Urbild verweisen und eben keine vollkommene Zeremonie sein wollen. Z.B. verweisen die Heiligungsvorschriften auf den einen Hohenpriester, der keine Heiligungsvorschriften mehr nötig hat, weil er selbst heilig ist:
„Denn ein solcher Hoherpriester geziemte sich auch für uns: heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dies hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat.“ (Hebr.7,26f)
Dann stellt sich allerdings die Frage, welchen Nutzen im Neuen Bund noch das Lesen dieser offenbar überholten Vorschriften hat. Sie haben nach meiner Einschätzung einen dreifachen Nutzen:
1. Auch im NT leben wir noch nicht im Himmel. Wir wissen zwar viel über das „Urbild“, können es aber nicht sehen. Die Vorstellung der alttestamentlichen Heilsvermittlung hat auch für uns noch veranschaulichende Kraft und die wird in der Metaphorik des NT auch genutzt („gebt eure Leiber als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer dar“ Röm.12).
2. Das Erlösungswerk Jesu erscheint vor dem Hintergrund des AT besonders kostbar: wenn schon im AT so viel Herrlichkeit lag, wie viel mehr dann erst im NT? (vgl. 2.Kor.3)
3. Wir lernen anhand der alttestamentlichen Heilsmittel (z.B. die Opfer) den Umgang mit den neutestamentlichen. Denn es ist ja nun keineswegs so, dass wir keine Zeremonien mehr hätten und die Gefahr einer rein zeremoniell korrekten Frömmigkeit stirbt nie aus.