Gott siegt für seine Gemeinde

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0.Einleitung

Die Gemeinde Gottes ist bedrängt. Das Klima gegenüber Christen hat sich sowohl in den Medien als auch in der Bevölkerung spürbar abgekühlt. Und die Gesetzeslage birgt zunehmend ernste Konfliktfelder. Und wir als Gemeinde fühlen uns dabei so hilflos, dass wir mit dem Diener Elisas, der die feindlichen Übermächte vor den Stadttoren sah, seufzen möchten: „Ach, mein Herr! Was sollen wir tun?“ (2.Könige 6,15f). Wer den Psalm 68 gelesen hat, seufzt seinerseits über diese Furcht und betet mit Elisa: „Herr, öffne doch seine Augen, dass er sieht! Da (nachdem Elisa das gebetet hatte,) öffnete der Herr die Augen des Dieners, und er sah. Und siehe, der Berg war voll von feurigen Pferden und Kriegswagen um Elisa herum.“ Zuletzt sind die Feinde sehr glücklich darüber, dass sie wieder nach hause ziehen dürfen.

Der ganze Psalm 68 kann die Funktion eines Augenöffners der Gemeinde sein. Der vielleicht bekannteste Teil dieses Psalmes wird in Eph.4, 7-10: zitiert

7. Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi. 8. Darum heißt es: Er ist aufgefahren zur Höhe und hat das Gefängnis gefangen geführt und hat den Menschen Gaben gegeben“. 9. Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinab gefahren ist in die Tiefen der Erde? 10. Der hinab gefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.

Der zitierte Vers steht in Psalm 68, 19. Und um diesen Vers geht es in der Predigt.

1. Der Herr ist unter ihnen – Sinai im Heiligtum

Ich konzentriere mich auf den näheren Kontext der zitierten Stelle: Vv. 17-19

V.17: Warum lauert ihr neidisch, ihr gipfelreichen Berge, auf den Berg, den Gott zu seinem Wohnsitz begehrt hat? Ja, der Herr wird dort wohnen für immer.

Zion ist der Berg, den Gott zu seinem Wohnsitz erwählt hat. Er ist zwar nicht besonders hoch, aber er ist die Wohnung Gottes. Und das wird er für immer bleiben. Es gibt nur eine Rettung und die liegt in Zion. Und damit wird er zu einem Bild für die Gemeinde, die das neue Jerusalem ist:

Hebr. 12, 18+23f Denn ihr seid nicht gekommen zu etwas, das betastet werden konnte, […], sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung, und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter aller;

Hier wird der Unterschied zwischen der alttestamentlichen und der neutestamentlichen Gemeinde geschildert: Im Gegensatz zur alttestamentlichen Gemeinde haben wir keine Plätze, Orte, Berge, Städte zu denen wir kommen. Unsere Stadt, unser Zion ist im Himmel.

David lässt hier Berge die Gedanken von Menschen ausdrücken: Die großen Berge blicken neidisch auf Zion. Vermutlich sind sie nicht neidisch auf das Wohnen Gottes, sondern auf die Auswirkungen: die unerwartete Kraft und Herrlichkeit dieses niedrigen Berges. Das ist der Kardinalfehler ihres Lebens: Sie erkennen nicht die Kraft Gottes und die Bedeutung, die sein Wohnen für die Menschen hat.

>V.18 Der Wagen Gottes sind Zehntausend mal Tausende, - Erhabenheit! Der Herr ist unter ihnen, Sinai im Heiligtum.

Auch wenn man es nicht sehen kann, ist die überwältigende Übermacht dort, wo der Herr wohnt. Auch wenn der Berg niedrig aussieht im Vergleich zu den gewaltigen Massiven: Erhabenheit ist dort, wo der Herr wohnt. Alles, was den neidischen Gebirgen zu entgegnen ist, kann man zusammenfassen in dem Satz: Der Herr ist unter ihnen! Alle Berge warten vergeblich auf ihre große Zeit, denn Gott hat es gefallen, Zion zu seiner ewigen Wohnung zu wählen – der Herr wird dort wohnen für immer.

Er ist mit seiner ganzen Größe, die er am Sinai gezeigt hat zu seinem Volk in den Tempel gezogen – Sinai im Heiligtum. Der Gott, der durch seine bloße Anwesenheit ein ganzes Gebirge zum Beben bringt, der so herrlich ist, dass selbst der Abglanz seiner Herrlichkeit auf dem Gesicht von Mose den Israeliten unerträglich war, dieser Gott wohnt bei den Menschen in einem Zelt. Wenn das geschieht, zählt keine Größe, Höhe, Stärke und Erhabenheit außer derjenigen, die der Herr mitbringt. Auch wenn Israel zu diesem Zeitpunkt keineswegs von einem Endsieg sprechen konnte, war es doch sicher, dass die Tatsache, dass Gott auf Zion wohnt, seiner Gemeinde irgendwann den Sieg bringen muss. Das ist eine Eigenschaft Gottes und daher unverrückbar sicher.

Elend und Niedrigkeit von Gottes Volk waren nie ein Zeichen dafür, dass Gott fern ist – im Gegenteil: Sein Trost besteht ja darin, dass er im Elend nah bei uns ist und gleichzeitig hoch erhoben um uns zu retten. Wir haben daher keine andere Gewissheit unseres Heils, als die Anwesenheit Gottes: keine Berge, kein Glück, keine Menschen, keine Ehre etc. Nur das Wohnen Gottes verspricht Heil. Wir sollen daher alles daran setzen, sein Volk zu bleiben und nicht zu Gottes Feinden über zu laufen. Denn so schön und erfolgreich das Leben dort zu sein scheint, führt es nur zum Tod.

V. 21: Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.

Oder wie es die „Elberfelder“ übersetzt: in der Macht des Herrn stehen die Auswege vom Tod – und man darf folgern: nirgendwo sonst. Jede Sünde, jeder Ungehorsam gegen Gott und sein Gebot ist ein Spielen mit dem Gedanken, ob es den Feinden Gottes nicht doch besser geht. Das ist das eigentliche Problem der Sünde: Nicht, dass wir etwas Falsches tun. Denn Gott hat ohnehin nichts von unseren Werken. Aber in jeder Sünde setzen wir einen Fuß auf feindliches Territorium. Jede kleine Betrügerei entspringt der Vorstellung, dass es mir ohne Gottes Gebote eigentlich besser ginge. Und diese Haltung ist blanker Unglaube. Aber letztlich werden die Gerechten, die Gottesfürchtigen sich freuen, „sie werden frohlocken vor dem Angesicht Gottes und jubeln in Freude.“ (V.4)

2. Hinaufgestiegen in die Höhe

Erst durch sein Hinaufsteigen können wir sehen, dass Gottes Hinabsteigen ein Zeichen seiner Liebe war: Gott hätte in der Herrlichkeit bleiben können. Er hätte uns auch aus der Höhe ein Heilsangebot machen können. Und wenn die Menschen es eben übersehen – wer könnte Gott einen Vorwurf machen? Aber so ist Gott nicht. Er hat nicht nur den Menschen die tiefe Sehnsucht nach ihm ins Herz gelegt. Er hat sich ein Volk, eine Gemeinde erwählt. Aber er hat nicht nur einen Bund mit ihm geschlossen, sondern durch Züchtigung und Segen immer wieder sein widerspenstiges Volk bei sich gehalten. Und nach jahrtausendelangen Fehlschlägen, als offensichtlich die Menschen von ihrem Misstrauen nicht ablassen wollten, ging er so weit, dass er seinen Sohn als Mensch hinrichten ließ. Damit jeder sieht, dass Gott seinen Zorn an seinem eigenen Sohn ausgelassen hat, und damit kein Zweifel besteht, dass wir uns Gott nähern können, ohne gerichtet zu werden. Gott verhält sich hier wie ein Hirte, der seinen Schafen nicht einfach nur das Tor öffnet, damit sie ihre Weiden suchen können, sondern er geht mit ihnen, hält sie auf Kurs und geht mit ihnen bis zu der Weide, und führt sie abends wieder nach hause.

Gott hat sich nicht geschämt, zu den Menschen herunter zu steigen, damit sie seine Heilsabsichten erkennen und ihr Heil vertrauensvoll bei ihm suchen. Die Rettung lag nicht in menschlicher Größe, sondern in Gottes Nähe. Und wer bei Gott in diesem niedrigen Volk wohnt, hat auch Teil an dem Heil, dass Gott nach seiner Auffahrt an sein Volk verschenkt. Dass Gott so tief zu den Menschen herab sinkt, um sie zu retten, soll den Menschen jedes Bestreben nehmen, hoch zu steigen und sich über andere zu erheben.

Phil. 2,5ff Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch gleich befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennen, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Aber Gott kam nicht um der Niedrigkeit willen zu seinem Volk. Hier komme ich zu dem Vers, der im Epheserbrief zitiert wird:

V. 19a Du bist hinaufgestiegen zur Höhe

Er kam nicht, weil Niedrigkeit an sich etwas Erstrebenswertes wäre. Er kommt nicht zu uns, weil es bei uns so schön ist, weil die Gemeinschaft mit uns so erquicklich wäre. Und er wollte dadurch auch nicht unser sündiges Leben gut heißen. Er wurde zwar einer von uns, aber ohne diesen kumpeligen Beiklang. Er blieb ohne Sünde. Gott ist auch nicht gekommen, um uns ein wenig therapeutischen Beistand zu leisten, damit wir uns wohl fühlen - er kam, um sein Volk zu erlösen. Er möchte unseren Blick auf die Herrlichkeit richten. Er kommt zu Menschen, die ihn ablehnen und nichts weniger suchen als Gott und den Himmel. Er kommt um uns das ewige Leben zu geben, obwohl wir in unserem Elend den Tod verdient hätten.

Wenn wir ihm bei seinem Aufsteigen zusehen, sollen wir nicht denken: Schade, jetzt ist er weg, damit hat dann unsere Hoffnung ein Ende. Denn wenn es ihm nur darum gegangen wäre, in der Herrlichkeit zu sein, hätte er gar nicht herabsteigen müssen. Er kam nur für uns. Und wenn er jetzt hinauf steigt, tut er auch das nur für uns. Wenn er in der Niedrigkeit geblieben wäre, hätte er uns nicht retten können. Durch sein Hinaufsteigen schafft er unser Hinaufsteigen, denn in der Höhe ist unser Heil bei ihm verborgen. Unser Geist soll ihm in die Höhe folgen, wo wir mit ihm verherrlicht werden. Jesus gebietet seinen Jüngern (Luk. 24,49): „Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr bekleidet werdet mit Kraft aus der Höhe!“ In unserer Niedrigkeit liegt keine Hoffnung, egal wie wir uns abmühen. Darum werden wir hier angewiesen, Gott bei seinem Zug in die Höhe zu folgen. Das können wir aber nur, weil er vorher bei uns war. Hätte er nicht seine unbedingten Heilsabsichten für uns demonstriert indem er alle Herrlichkeit für uns aufgegeben hat, hätten wir keinen Grund zu der Hoffnung gehabt, einmal an dieser Herrlichkeit und an seinem Hinauffahren Anteil zu haben.

Erst sein Hinauffahren macht aus dem Herabsteigen eine Rettung. Und er wird zum Trost für alle, die bei sich nur Elend und Niedrigkeit erkennen und belebt sie mit der Hoffnung aus der Höhe.

Jes. 57,15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.

Das Tröstliche an diesem Text ist ja nicht, dass Gott sagt: Seht mal, jetzt bin ich auch nicht mehr in der Höhe, sondern ganz nah bei euch. Sondern obwohl er der Hohe und Erhabene ist, ist er bei dem Gebeugten und Zerbrochenen. Das ist kein Lob der Niedrigkeit, sondern der Gnade. Und weil er mit seiner Gnade in Vorleistung getreten ist, können wir ohne Risiko – wie Paulus es formuliert – dieser Welt sterben. Denn Christus hat unser Heil in der Herrlichkeit bereits geschaffen.

Kol. 3, 1-4 Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, euer Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.

3. Das Gefängnis ist gefangen

Die Dinge, von denen David spricht, sind so sicher, dass er hier wie von einem bereits geschehenen Ereignis sprechen kann:

V. 19 Du bist hinaufgestiegen zur Höhe, du hast das Gefängnis gefangen geführt, hast Gaben empfangen bei den Menschen.

Gott hat das Gefängnis gefangen geführt: Gott hat nicht nur Gefangene gemacht, sondern alle Gegner für immer besiegt, so dass nie wieder ein Krieg nötig wird. Die „Gefangenschaft“ ist also nicht eine bestimmte Menge von Personen, sondern alle Personen der sichtbaren und unsichtbaren Welt samt ihrem ganzen Herrschaftsbereich, der die Gemeinde in Gefangenschaft hält.

Damit ist alles gemeint, was nicht zum Volk Gottes gehört, sondern es bedrückt. Die Welt ist das Gefängnis der Gemeinde. Aber genau das, was uns Gefängnis war, hat Gott selbst gefangen genommen und nicht nur das: er hat es öffentlich als Gefangen vorgeführt damit weder bei dem Gefängnis, noch bei der Gemeinde ein Zweifel daran bestehen kann, dass die Zeit der Gefangenschaft beendet ist. Eigentlich gehören wir auch zu dieser Welt, die mit Gott in Feindschaft lebt. Aber durch Gottes Gnade können wir zu seinem Volk gehören, dem er den Sieg schenkt. Denn so wie Gott nicht für immer in einem Zelt wohnt, sondern sich mühelos erhebt um seine Macht und Herrlichkeit vor allen zu zeigen, so werden auch wir nicht immer unter unserem Gefängnis leiden, sondern Gottes Sieg genießen können. Für die Feinde Gottes gibt es allerdings keine Hoffnung.

4. Du hast den Menschen Gaben gegeben

Durch den Siegeszug Gottes, wechseln viele Schätze den Besitzer. Es heißt bei David:

Du bist hinaufgestiegen zur Höhe, du hast das Gefängnis gefangen geführt, hast Gaben empfangen bei (oder: unter) den Menschen.

Interessanter Weise zitiert Paulus den Vers anders: Statt: „hast Gaben empfangen bei den Menschen“ zitiert er in Eph. 4: „…und den Menschen Gaben gegeben.“

Das Empfangen der Gaben ist das Geben der Gaben: Der Mensch empfängt erstens die Gnade, bei Gott angenommen zu sein mit seinen Gaben. Zweitens unterstellt er sich mit allem was er ist und hat dem Dienst Gottes und empfängt ein Amt.

Man muss sich diese Verehrung Gottes als eine sehr persönliche Angelegenheit vorstellen: Es heißt: „Du hast Gaben empfangen bei (oder „unter“) den Menschen.“ David beschreibt hier kein distanziertes Absaugen der Geschenke. Vielmehr zeigt er Gott, wie er bei den Menschen ist, und sich die Gaben gefallen lässt. Und daher kann Gott, bei dem Empfang der Gaben, auch die Zusage geben, dass der Betreffende als Glied aufgenommen ist.

Hes. 20, 40 Denn auf meinem heiligen Berg, auf dem hohen Berg Israels, spricht der Herr, HERR, dort wird mir das ganze Haus Israel insgesamt dienen im Land. Dort werde ich sie wohlgefällig annehmen, und dort werde ich eure Hebopfer einfordern und die Erstlinge eurer Geschenke, all eure heiligen Gaben.

Die Menschen dürfen Gott ihre Gaben bringen und erhalten dadurch Anteil an den Reichtümern seiner Gnade. Denn egal ob es heißt, Gott „hat Gaben empfangen“ oder Gott „hat den Menschen Gaben gegeben“, unser Blick wird immer auf die Reichtümer Gottes gelenkt. Von ihm sollen wir alles erwarten und alles erbitten. Nur bei ihm ist Leben und Herrlichkeit und von ihm erhalten wir es reichlich. Wer sich in seiner Eitelkeit gestattet, auf seine Gaben stolz zu sein, macht zwei Fehler: Erstens verleugnet er Gott als die Quelle alles Guten und den Geber aller Gaben, während er eigentlich zur Dankbarkeit gereizt werden soll.

Zweitens gibt er wenn überhaupt nur gönnerhaft der Gemeinde etwas von Gottes Gaben weiter, die doch eigentlich der Adressat der Güte Gottes ist. Und wie sollten wir, nachdem Gott den höchsten Einsatz zur Rettung seines Volkes gezahlt hat, uns nicht um das Wohl von Gottes Volk/ von Gottes Gemeinde sorgen? Das bedeutet auch, dass wir uns an dem gesamten Reichtum seiner Herrlichkeit, die er verteilt, freuen sollen, nicht nur an unserem eigenen Anteil. Wir werden dadurch angestachelt, unsere Gaben mit den anderen zu teilen. Wir sollen diese Gaben an den anderen entdecken und schätzen lernen.

David zeigt uns Gott in seiner Liebe zu seinem Volk. Er hat sich nicht einzelne Menschen ohne jede Verbindung gerufen, sondern hat sich eine Volks-Gemeinschaft erwählt, in der jeder an allen Verheißungen Anteil hat. Wer sich nicht mit der Gemeinde Gottes identifizieren kann, wird dem Sieg Gottes nichts abgewinnen können. Er wird in seinem Lob immer nur die Formulierung kennen „Danke für das, was Du mir getan hast!“. Aber er kennt nicht das Lob für das, was Gott uns getan hat. Und das ist schon deshalb schade, weil Gott sehr viel für uns getan hat! Der Psalm 68 ist eindeutig so ein Lob. Wir werden dazu angehalten, uns als Gottes Volk zu freuen. Die Freude über den Sieg hängt direkt mit der Sorge um den Sieg zusammen. Die Aufgabe der Gemeinde, bzw. der Glieder am Leib Christi besteht deshalb darin, die anderen Glieder in diesem Glauben zu ermuntern und so auf den Tag vorzubereiten, an dem der Sieg der Gemeinde offensichtlich ist.

Diese siegreiche Gemeinschaft müssen wir in ihrem vollen Wert entdecken aber nicht erfinden: Wenn wir Gott bei seinem Zug in die Höhe mit unserem Blick folgen sollen, dann wird vorausgesetzt, dass wir selbst noch nicht in der Höhe sind. Gott hat sein Volk schon gerettet, während wir noch lernen, uns als solches zu verstehen und den Sieg zu begreifen. Wenn der Psalm zu unserer Erbauung gegeben ist, dann setzt er voraus, dass wir an die Einheit der Kirche, wie es im Glaubensbekenntnis heißt, immer wieder erinnert werden müssen. Auch wenn wir von dieser geistlichen Gemeinschaft zeitweise nichts sehen, und von Gottes Gemeinde so enttäuscht sind, dass wir an ihr fast irre werden, haben wir in diesem Lob den starken Trost, dass die Gemeinde als Volk Gottes besteht und durch ihn gerettet wird. Sie entsteht nicht dadurch, dass Menschen anfangen, nett zueinander zu sein, und sie entsteht nicht durch Gemeindebaukonzepte. Sie entsteht, weil Gott sich ein Volk zu seinem Eigentum erwählt hat und es zum Sieg führt. Er allein ist Ursprung und Stärke seiner Gemeinde, deshalb heißt es am Ende des Psalms:

Vv. 35f:
Gebt Gott die Macht!
Seine Herrlichkeit ist über Israel und seine Macht in den Wolken.
Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum;
er ist Israels Gott.
Er wird dem Volke Macht und Kraft geben.
Gelobt sei Gott!