Essayübersicht

In Dankbarkeit empfangen

DER SCHUTZ DES EIGENTUMS

EXKURS: IST DER KOMMUNISMUS DAS IDEAL DES NT?

ALLES AUS GOTTES HAND EMPFANGEN

1.Der Blick auf den Geber befreit uns von Sorgen

2. Der Blick auf den Geber befähigt uns zu einem angemessenen Umgang mit Besitz

In Liebe geben

WIR SIND VERWALTER VON GOTTES EIGENTUM

Exkurs: Der „Zehnte“

Die Liebe zum Nächsten als Regel für den richtigen Umgang mit Besitz

Wozu das alles?

DIE EMPFÄNGER WERDEN IM GLAUBEN GESTÄRKT

WIR WERDEN AUF DAS EWIGE LEBEN AUSGERICHTET




Gottes Gedanken zum Geld

Was den Umgang mit Geld angeht, bietet die Kirchengeschichte zwei Extreme mit allen Zwischenstufen: Von der Forderung nach totalem Verzicht auf Besitz bis hin zum sog. „Wohlstandsevangelium“, das Glauben mit irdischem Wohlstand belohnt.
Die Einstellungen zum Geld hängen mit der Einstellung zur Welt insgesamt zusammen: Je positiver das Bild von dieser Welt ist, desto unbefangener wird auch Reichtum genossen u.u. (Beispiele ausführen)

Aber in der Bibel geht es nicht in erster Linie um die Frage, ob die Welt gut oder schlecht ist, sondern wie wir mit ihr umgehen. Wir sollen nicht die Welt fliehen, sondern unsere Begierden. Es ist kein Kampf gegen Materie, sondern gegen unser Fleisch.

„Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe (Nicht das Geld)“ (1.Tim. 6,10)

Jesus konnte in dieser Welt leben und an ihrem Leben teilnehmen, ohne zu sündigen.
Um die Welt und ihre Güter richtig zu betrachten, muss man sehen, wie sie in der Bibel betrachtet wird: 1. Die Welt verkündet die Herrlichkeit Gottes.

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet seiner Hände Werk. (Ps. 19,2)

2. Andererseits ist die Welt dem Tod unterworfen und erlösungsbedürftig.

Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen worden (Röm. 8,20)

Kurz gesagt: Die Welt ist eine sterbende Verkünderin der Herrlichkeit Gottes.
Wir sollen sie daher nicht verachten. Es wäre aber auch töricht, mehr in ihr zu sehen.

Die Folge für den Umgang mit Besitz ist: Es ist nicht grundsätzlich verboten, mehr als das Existenzminimum zu besitzen. Reichtum an sich zu verachten ist nicht biblisch. Und Armut ist kein Wert an sich. Es gibt gierige Arme und gierige Reiche. Und es gibt genügsame Reiche und genügsame Arme.
Wir müssen uns nicht für Reichtum schämen. Wir müssen uns schämen, wenn wir ihn nicht nach Gottes Maßstäben verdienen oder verwenden. Dies wird in den beiden nächsten Punkten näher ausgeführt.

In Dankbarkeit empfangen

Bei Gott sind alle Reichtümer, und er gibt großzügig. Jesus lenkt unseren Blick auf die Lilien auf dem Feld, die schöner sind, als alles, was selbst Salomo besessen hat. Angenommen, es gäbe keine Blumen, und einem Forscherteam wäre es nach jahrzehntelanger kostenintensiver Arbeit gelungen, eine Blume zu erzeugen, die aus einem kleinen Samenkorn entsteht und nur mit Wasser, Sonne und Nährstoffen heranwächst zu einem komplexen und wunderschönen Gebilde, dann würden alle nur den Kopf schütteln, über diese Verschwendung von Forschungsgeldern. Dieser ganze Aufwand, nur weil es nett aussieht – und dann blüht sie nur ein paar Wochen!
Aber so verschwenderisch ist Gott. Er erschafft unzählige Sterne und Galaxien, damit es in der Nacht am Himmel funkelt. Glauben Sie im Ernst, Gott hat etwas gegen Reichtum?

Wir sehen daran aber nicht nur, dass Gott reich ist, sondern dass er großzügig ist, denn diese Dinge sind ja durchweg zu unserem Vergnügen erschaffen.
Und mit dem Besitz sieht es ganz ähnlich aus: Wir sollen ihn dankbar annehmen und uns daran freuen. So wie die Blume ist auch Wohlstand ein Zeichen der Güte Gottes uns gegenüber.

Gott kann Wohlstand auch dazu benutzen, um sein Volk im Vertrauen auf sein Wort zu stärken (Segen und Fluch). Dazu hat er es mit Wohlstand überschüttet, wenn es gehorchte und mit Katastrophen, wenn es nicht gehorchte. Die Sprüche sind voll von den immer wiederkehrenden Ermahnungen, dass man nur durch Gerechtigkeit, Fleiß und Weisheit zu Reichtum kommt:

11,18 Der Gottlose schafft (sich) trügerischen Gewinn, wer aber Gerechtigkeit sät, dauerhaften Lohn.
13,25 Der Gerechte kann essen, bis er satt ist; der Gottlosen Bauch aber leidet Mangel 14,23 Wo man arbeitet, da ist Gewinn; wo man aber nur mit Worten umgeht, da ist Mangel.
Schnell erworbenes Vermögen verschwindet auch schnell.
13,11 Hastig errafftes Gut zerrinnt; wer aber ruhig sammelt, bekommt immer mehr.

Solche Aussagen sollen aber nicht das Gefühl vermitteln, wir wären doch letztlich die Urheber unserer Güter. Vielmehr möchte Gott uns durch solche Zusammenhänge zu gerechtem Verhalten und Weisheit erziehen.
Man kann hier an Eltern denken, die ihren Kindern alles zum Leben geben, aber durch Taschengeldentzug ihre Kinder zur Mitarbeit im Haus erziehen möchten. Es wäre eine Verkehrung der Tatsachen, wenn nun die Kinder sagen würden: Ich habe mir das Leben bei meinen Eltern durch harte Arbeit verdient. Sie sollen vielmehr ihren Eltern für die Versorgung danken und dafür, dass sie ihnen wichtige Dinge beigebracht haben.
Ähnlich sollen auch wir daran denken, dass nicht unsere Arbeit und Gerechtigkeit uns wohlhabend werden lassen, sondern dass es ein Geschenk unseres Vaters im Himmel ist.
Und so wie die Eltern erzieht auch Gott uns und lässt uns auf der Erde hart für unser täglich Brot arbeiten. Dadurch macht er zum einen deutlich, dass wir noch nicht im Himmel sind, und zum andern lehrt er uns, seine Güter zu schätzen. Und nur, wenn wir den Wert erkennen, können wir dankbar sein, wozu wir in der Bibel an vielen Stellen aufgefordert werden.

Im Zusammenhang mit der Dankbarkeit möchte ich noch zwei Aspekte ausführen:
1. Gott hat nicht nur die Welt reich ausgestattet, sondern stellt auch jedem einzelnen Dinge zu seiner Freude zur Verfügung – hier ist von dem Besitz zu sprechen.
2. Müssen wir alles bewusst aus Gottes Hand empfangen.

Der Schutz des Eigentums

Um zu gewährleisten, dass jeder sein eigenes Gut besitzt, über das er sich freuen kann, hat Gott den Besitz jedes Menschen gleich durch zwei der Zehn Gebote geschützt: „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht begehren“.
Gott liegt der Schutz des Eigentums am Herzen. Wir dürfen uns noch nicht einmal in Gedanken, oder in dem Wunsch nach fremden Gütern an diesen Geboten schuldig machen. Christen werden in den wenigsten Fällen einen offenen Diebstahl oder bewussten Steuerbetrug begehen. Aber zum Schutz des Eigentums anderer gehört auch, dass wir Rechnungen pünktlich bezahlen, Schulden unverzüglich begleichen, Fundsachen zum Fundbüro bringen, keine Raubkopien anfertigen, angemessene Löhne und Preise zahlen etc.

Exkurs: Ist der Kommunismus das Ideal des NT?

In der Apg. (4,32-37) wird das Gemeindeleben als Gütergemeinschaft beschrieben: und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Widerspricht dies dem Recht auf Eigentum? Natürlich nicht!
Der Text beginnt nämlich mit den Worten: „Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele;“ Die Großzügigkeit war also freiwillig, der Besitz wurde nicht für unrechtmäßig erklärt oder eingezogen.

Als ein Ehepaar der Urgemeinde seinen Besitz verkauft und behauptet, die ganze erworbene Summe Gott zu geben, tatsächlich aber einen Teil zurück behält, sagt Petrus:

„Hättest du den Acker nicht behalten können, als du ihn hattest? Und konntest du nicht auch, als er verkauft war, noch tun, was du wolltest? Warum hast du dir dies in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Mensch, sondern Gott belogen.“

Sie hätten es behalten dürfen. Sie wurden also ausdrücklich nicht bestraft, weil sie nicht alles gegeben hatten, sondern weil sie Gott belogen hatten. Dafür mussten sie sterben.

Nur wenn ich etwas besitze, kann ich auch etwas abgeben.

Alles aus Gottes Hand empfangen

Zum Zweiten sollen wir allen Reichtum dankbar von Gott empfangen und ihn nicht als Ergebnis unserer Leistung ansehen.

„Der Segen des Herrn, der macht reich, und (eigenes) Abmühen fügt neben ihm nichts hinzu.“ (Spr.10,22)

Wir werden hier nicht auf die Suche geschickt, wie man an Segen und Reichtum kommt – auch wenn es sicher ein lohnendes Geschäft ist, Christen mit Theorien darüber verrückt zu machen.
Tatsächlich werden wir hier darauf hingewiesen, dass der Reichtum, den wir haben ein Geschenk Gottes ist.
Gott möchte nicht, dass wir denken „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen verschafft!

„Sondern du sollst an den Herrn, deinen Gott, danken, dass er es ist, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen.“ (5.Mose 8, 17ff)

Gott hat uns die psychische, mentale und körperliche Kraft zu unserer Arbeit gegeben. Und er kann sie uns jederzeit nehmen. Und selbst mit der von Gott verliehen Kraft ist noch kein Eigentum geschaffen, denn es gibt Menschen, die besser ausgebildet sind als wir und härter arbeiten und doch weniger haben. Wir sollen deshalb dankbar sein. Und diese Lektion lernen wir oft erst, wenn Gott uns wieder etwas oder – durch den Tod – alles nimmt.

Und diese Lektion hat wichtige geistliche Konsequenzen:

1.Der Blick auf den Geber befreit uns von Sorgen

Der Blick auf Gott als den Geber aller Gaben zeigt uns, dass nicht der Reichtum uns reich mach, sondern Gott. Und wenn wir wirklich Ihn erkennen und ihm danken, müssen wir uns keine Sorgen um unser Leben machen. Denn dann sehen wir den Reichtum, und die Liebe, mit der er uns umsorgt. Aus diesem Grund richtet Jesus unseren Blick auf die Lilien: wir sollen an ihnen etwas über die Güte Gottes lernen. Und wenn wir dies tun, werden wir gelassen.

„Er sprach aber zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt! Das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung.
Betrachtet die Raben, die nicht säen[…]
Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit war nicht bekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, Kleingläubige!
Und ihr, trachtet nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und seid nicht in Unruhe! Denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr dies benötigt. Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und dies wird euch hinzugefügt werden. Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohl gefallen, euch das Reich zu geben. “ (Lk. 12,22-34 mit Auslassungen)

Jesus sagt nicht, dass wir wie Lilien leben, sondern dass wir sie betrachten sollen! Die Lilien und die Vögel tun zwar alles, was sie können, um zu überleben, aber das ist nicht gerade viel. Und trotzdem ernährt ihr himmlischer Vater sie doch.
Wir werden also nicht von der Arbeit weg, sondern zu Gott hingeführt. Wir sollen an den Lilien kein besseres Leben erkennen, sondern einen gütigen Vater im Himmel. Wir sollen also durchaus arbeiten, aber uns nicht darum sorgen, dass die Arbeit uns nicht ernährt, über unsere eigenen bescheidenen Möglichkeiten, unser Leben zu erhalten, beschmunzeln und Gott für alles dankbar sein.
Wenn wir die Raben wirklich als Vorbild nehmen, sind wir emsig und geborgen.

Gott hat uns im Gegensatz zu den Tieren die Möglichkeit gegeben, Geld langfristig anzulegen und zu vermehren. Und selbst das ist nicht durch dieses Bild verboten. Wir sollen alle Kräfte anspannen, um mit Gottes Gütern auch langfristig verantwortungsvoll umzugehen.

Spr. 21,5 Das Planen eines Emsigen bringt Überfluss; wer aber allzu rasch handelt, dem wird’s mangeln.

Aber wir sollen uns auch hierbei keine Sorgen machen, und uns nicht auf unsere Planungen verlassen. Sowohl Sorge als auch gottlose Sicherheit haben die gleiche Ursache: Sie erkennen nicht, dass wir im Guten wie im Schlechten von Gott abhängen. Aber Gott reicht alles dar zum Genuss. Sorge und Sicherheit sind daher ein Zeichen für Unglaube:

Niemand kann zwei Herren dienen […] Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben (Mt. 6,24f große Auslassung).

Wie oft sprechen sie aber über Produkte, Pläne und Anschaffungen oder träumen von (einem bisschen) mehr Geld. Wie wichtig ist uns der Gedanke, dass unsere Kinder später einen erfüllenden und gut bezahlten Beruf haben?
Und wie oft sprechen sie über den Glauben?
Aber:

14,26 Wer den Herrn fürchtet, hat eine sichere Festung, und auch seine Kinder werden beschirmt.

Und:

Nichts nützt Reichtum am Tag des Zornes, Gerechtigkeit aber rettet vom Tod. (Spr. 11,4)

2. Der Blick auf den Geber befähigt uns zu einem angemessenen Umgang mit Besitz

Der eine gönnt sich kaum ein Glas Wasser ohne schlechtes Gewissen, der andere gönnt sich alles. Wie können wir das richtige Maß finden? Die Antwort ist: Wenn wir die Güter als sterbende Verkünder der Güte Gottes betrachten, können wir nicht ganz falsch liegen. Unser ganzes Sehnen soll auf die Herrlichkeit Gottes gerichtet sein.
Ist das nicht der Fall, werden wir gierig oder ängstlich: Gierig, weil wir uns von unserer natürlichen Blindheit in Gier nach irgendwelchen Dingen verzehren. Ängstlich, wenn wir nur die Gefahr erkennen, die von ihnen ausgeht.
Wenn wir sie aber als Zeichen von Gottes Güte ansehen, werden wir von allem Schönen und Erstrebenswerten auf Gott verwiesen und wissen so, von wem wir alles wirklich Schöne und Erstrebenswerte erwarten sollen. Mit ganz vereinzelten Ausnahmen bedeutet dies immer: Genügsamkeit lernen.

„Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken.“ (1.Tim.6,8f)

Wir sollen nicht versuchen, reich zu werden.

Bemühe dich nicht, reich zu werden; da spare deine Klugheit! (Spr.23,1-8)

Für die Rente haben viele Christen erheblich besser gesorgt, als für ihr Heil.

In Liebe geben

Gott fordert zwar den Schutz des Eigentums, aber das bedeutet nur, dass kein anderer Mensch einen Anspruch daran hat. Es bedeutet nicht, dass Gott keinen Anspruch daran hat!

Wir sind Verwalter von Gottes Eigentum

Jesus prägt in verschiedenen Gleichnissen das Bild vom Verwalter: Wir erhalten Eigentum zur Verwaltung. Mit diesem Bild wird unsere Gier begrenzt, weil wir nur Gottes Eigentum vor uns haben und unserem Herz nicht die Zügel schießen lassen können. Außerdem werden wir daran erinnert, dass aller Besitz zeitlich begrenzt ist und spätestens mit dem Tod endet. Zuletzt erinnert uns dieses Bild daran, dass wir Gott Rechenschaft ablegen müssen über unseren Umgang mit Geld. Wie verwaltet man nun Gottes Reichtum richtig?

Exkurs: Der „Zehnte“

Die vielleicht interessanteste Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wieviel darf ich behalten und wie viel muss ich geben?
Leider gibt es für diese Frage keine Antwort. Man ist geneigt, den Zehnten als Faustregel anzusehen: 10% muss ich abgeben, 90% stehen mir nach Belieben zur Verfügung. Aber erstens ist der Zehnte schon im AT nur die Mindestabgabe und alle Sondersammlungen für den Tempel, das Almosengeben und das Verleihen an Notdürftig gehen weit darüber hinaus.
Zweitens gilt die Regelung des Zehnten im NT nur eingeschränkt: Viele Gesetze welche die Verwendung des Zehnten betreffen, sind im NT nicht mehr gültig. Denn einen Teil bekamen die Leviten und die Priester.
Andererseits hat Abraham schon vor diesen Gesetzen den Zehnten an Melchisedek gegeben. Und in Hebr. 7 wird deutlich, dass letztlich nicht die Leviten die Empfänger des Zehnten waren, sondern Jesus.
Außerdem ging es bei dieser Abgabe nicht in erster Linie darum, den Tempelbetrieb zu finanzieren, sondern Gott sein Recht an allen Erstlingen zukommen zu lassen, als Zeichen dafür, dass ihm eigentlich alles gehört und der Mensch ihm Dank schuldet.
Es gibt also noch den gleichen Empfänger wie im AT – Gott - und den gleichen Zweck der Abgabe – Verehrung Gottes.
Selbstverständlich muss man vom Bruttoverdienst ausgehen, denn Gott soll ja gerade der erste Empfänger unserer Gaben sein.
Die konkreten Gebote zum Zehnten sind also nicht mehr gültig, aber Gott den Zehnten zu geben, ist immer noch ein Zeichen des nötigen Respekts und der Dankbarkeit.
Ich habe mal von einer Faustregel gehört, die mir recht brauchbar erscheint, weil sie einfach ist: 10% regelmäßig spenden 10% sparen. Dies sollten auch schon Kinder lernen.

Die Ausgangsfrage war: Wieviel darf ich behalten? Wie gezeigt ist der Zehnte zwar eine Ordnung, die nach wie vor Gültigkeit hat. Aber er ist eine Mindestgrenze. Und wenn die 10% nur widerwillig gegeben werden, ist auch diese Gabe völlig wertlos, denn:

„Jeder gebe, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott.“(2.Kor.9,7)

Die Liebe zum Nächsten als Regel für den richtigen Umgang mit Besitz

Die Regel, nach der wir spenden, kann keine andere sein, als die, die auch unser Verhalten überhaupt bestimmen soll: nämlich die Liebe.
Paulus schreibt an die Korinther, die er zur Sammlung einer Gabe vorbereitet:

„Nicht befehlsweise spreche ist, sondern um durch den Eifer anderer auch die Echtheit eurer Liebe zu prüfen.“ (2.Kor.8,8)

Und Johannes schreibt:

„Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.
Wer aber irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?
Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit!“ (1.Joh.3,16-18)

Aus Liebe entwickelt man einen Blick für die Not. Die Liebe lässt uns fröhlich geben. Sie verbietet es, den Nächsten durch Prestige-Güter zur Eifersucht zu reizen. Die Liebe verbietet es, neidisch auf die Güter der anderen zu sehen und gönnt von Herzen. Und sie verbietet es, jemand wegen seiner Armut gering zu schätzen.

Wozu das alles?

Paulus verheißt den Korinthern Segen für ihre reichhaltigen Gaben:

„Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten.“ (2.Kor.9,6)

Die Empfänger werden im Glauben gestärkt

Dieser Segen zeigt sich erstens bei denen, die wir unterstützen. Wir können andere ermutigen, indem wir ihnen reichlich Anteil geben an unseren Gütern. So wird bei ihnen der Glaube gestärkt, wenn sie ihn bei uns sehen, sie werden zur Dankbarkeit gereizt und wollen ihrerseits großzügig austeilen und Frucht bringen.
Stellen Sie sich vor, eine Gemeinde sendet eine junge Missionarsfamilie aus. Wie wird es sich wohl bei ihnen auswirken, wenn jetzt ernste Überlegungen anstehen, wie man diese Kosten aufbringen soll? Wie viel leichter wird es ihnen fallen, von der Liebe Gottes zu erzählen, wenn sie selbst mit Liebe aus ihrer Gemeinde überschüttet wurden? Missionare sollen ihren Kindern auch ein Eis kaufen können, ohne sie deswegen ein schlechtes Gewissen machen zu müssen. Sie sollen darin die Liebe ihrer Geschwister erkennen, die nur etwas von ihrer Liebe weitergeben, die sie von Gott empfangen haben.

Wir werden auf das ewige Leben ausgerichtet

Der Segen fließt aber zweitens an uns, denn wenn wir uns von unserem Geld lösen, bringen wir unser Herz zu Gott, denn es heißt:

Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. (Lk.12,33f)

Hierhin gehören auch alle anderen Stellen, in denen wir aufgefordert werden, Schätze im Himmel zu sammeln. Man darf bei der Auslegung allerdings nicht den Aspekt der Geldanlage übertreiben. Denn Jesus stellt uns Gott hier als liebevollen Vater und nicht als Volkswirt oder Versicherungsmakler vor. Aber weil wir der Liebe Gottes gegenüber von Natur aus misstrauisch sind, wird uns der Himmel bei Jesus und auch bei Paulus oft als Geldanlage beschrieben. Dadurch werden wir bei unseren fleischlichen Wünschen angesprochen und auf den Himmel verwiesen, in dem der wirkliche Reichtum bereit liegt. Bei diesen Überlegungen soll unser Blick aber eigentlich auf Gott gerichtet und unser Herz bei dem Anblick seiner Güte befreit und vertrauensvoll werden.

„Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist!“ (1.Tim.6,11f)