Einführung in das Buch "Genesis"
Das erste Buch der Bibel trägt den Titel „Genesis“. Dies lässt sich übersetzen mit „Zeugung“, „Entstehung“, „Schöpfung“. Der Titel enthält keine näheren Erläuterungen darüber, was hier entsteht oder erschaffen wird: Es heißt nicht „Die Entstehung der Welt“ oder „Die Entstehung der Menschheit“ oder „Die Entstehung des Lebens“.
Der hebräische Name für das erste Buch Mose birgt übrigens die gleichen Schwierigkeiten: „Bereschit“ ist gleichzeitig Titel und erstes Wort dieses Buches und heißt einfach „Am Anfang“, wobei wieder nicht gesagt wird, was hier eigentlich beginnt.
Für den Juden klang in dem Titel vermutlich wesentlich mehr mit, als für uns:
Wir denken an den Anfang einer Geschichte, ihren Hauptteil und den Schluss, den Anfang einer Reihe etc.
Wir denken ihn also als ersten Teil einer Folge von Dingen oder Ereignissen. Mehr bedeutet uns ein Anfang nicht.
Für den Juden war das anders: Der Anfang war gleichzeitig stellvertretend für alles, was danach kommt.
Lassen Sie mich das anhand einiger Beispiele verdeutlichen:
Die Erstgeburt gehörte Gott. Damit zeigt Gott an, dass ihm eigentlich alles gehört (3.Mose 23,14).
Gott alles Erste zu geben, war ein Zeichen der Hingabe. Israel sollte immer an Ägypten als warnendes Beispiel denken:
Der Pharao weigerte sich, Gott zu gehorchen und ihm sein Volk zu geben, und Gott nahm sich seine Erstgeburt einfach.
Der König eröffnete alle wichtigen Wettspiele. Große Bauwerke werden vom Bürgermeister mit dem ersten
Spatenstich begonnen. Und wenn sich jemand am Buffet vordrängelt, um der Erste zu sein, dann unterstellen wir ihm,
dass er sich für besonders wichtig hält.
Im NT ist Jesus der Erstgeborene, der für uns damit einen Weg vor geht.
2.Mose 12,2: Dieser Monat soll für euch der Anfangsmonat sein (Haupt der Monate); Spr. 8,22ff:Der hat mich
(die Weisheit) geschaffen als Anfang seines Weges, als erstes seiner Werke von jeher.
(und damit wird die besondere Bedeutung der Weisheit begründet); Röm. 8,29:
…damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern; Kol. 1,18: Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde.
Er ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe;
denn es gefiel der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen.
Es bleibt allerdings die Frage, weshalb man ein Buch „Genesis“ nennt, in dem die Geschichte von der Entstehung der Welt
bis zu Josef in Ägypten erzählt wird. Wer sich den Aufbau ansieht, kann die Antwort leicht erkennen:
In den ersten beiden Kapiteln wird die Entstehung der Welt geschildert. Mit dem Sündenfall in Kapitel 3 wird die
Geschichte der verdorbenen und gottlosen Menschheit eröffnet. Diesen ganzen Teil nennt man die „Urgeschichte“
und er umfasst genau die Zeitspanne bis zur Berufung Abrahams im 12. Kapitel. In der Urgeschichte wird Kains Brudermord
erzählt, die Zeugung der urzeitlichen Helden aus Göttersöhnen und Menschentöchtern, die Sintflut,
Noahs Fluch und Segen über seine Söhne und der Turmbau zu Babel.
Am Beginn des 12. Kapitels spricht Gott völlig unvermittelt Abram an, den er sich zum Vater seines Volkes
erwählt. Damit beginnt die „Vätergeschichte“. Und sie endet mit dem Zug Jakobs mit seiner Sippe nach
Ägypten. In Ägypten wächst sie zu einem Volk heran, das die Ägypter das Fürchten lehrt.
Ab dem 2. Buch Mose wird von Israel dann immer als von einem Volk gesprochen. Die Vätergeschichte ist also die
Geschichte der Entstehung des Volkes Israel. Und da Abram nicht nur der Vater eines Volkes, sondern der Vater vieler
Nationen ist, kann man diesen Teil der Genesis ganz neutestamentlich als die Entstehung der Kirche bezeichnen.
Die Namensänderung von „Abram“ in „Abraham“ ist Ausdruck dieser Verheißung, denn Abraham bedeutet „Vater einer Menge“
. Der Kontext von 1.Mose 17,4f macht deutlich, dass es sich um eine Menge von Nationen handelt.
Zusammenfassend kann man also sagen: Es geht in der Genesis um zwei Schöpfungen: Die Erschaffung der Welt.
Und als die Welt in Bosheit versinkt und kein Ausweg mehr in Sicht ist, erschafft Gott seine Kirche aus dem Nichts
und macht mit ihr einen Neuanfang.
Wir wollen uns diese Phasen im Folgenden näher ansehen.
Die Urgeschichte beginnt mit der Erschaffung der Welt. Das entscheidende Kennzeichen dieser Erschaffung ist,
dass sie durch Gottes Wort geschieht. Gott sprach und es wurde.
Das ist keineswegs selbstverständlich, denn es existieren genug außerbiblische Ansätze zu der Frage,
wie Gott die Welt erschaffen haben könnte: durch seine Gedanken, durch handwerkliche Arbeit etc.
Aber Gott erschuf die Welt durch sein Wort. Und damit ist fast alles gesagt:
Damit markiert Gott den unleugbaren und unüberwindbaren Unterschied zwischen Geschöpf und Schöpfer.
Auch im Paradies konnte man klar zwischen Gott und seiner Schöpfung unterscheiden: Denn er sprach, und es geschah;
er gebot, und es stand da. (Ps. 33,9 Hier wird Gott in seiner Erhabenheit über der Schöpfung bewundert).
Gott nimmt durch sein Wort aber auch Beziehung zu seinen Geschöpfen auf. Die Schöpfung ist kein mechanischer,
sondern ein sehr persönlicher Vorgang. Und wenn wir wissen wollen, woher wir das Leben erhalten,
werden wir durch die Schöpfungsgeschichte auf sein Wort verwiesen, durch das wir offenbar den erhaltenden Kontakt
zu Gott bekommen.
An der Wirkung schließlich erkennt man, dass Gottes Wort mächtig ist. Nichts kann ihm widerstehen.
Und Gott zeigt, dass er selbst die Verbindung herstellen muss, weil aus dem Chaos nie eine geordnete Welt entsteht.
Denn bevor er sprach, gab es nichts.
Die so entstandene Welt ist einschließlich des Menschen vollkommen: sie ist nach Gottes Weisheit geordnet und bietet dem Menschen einen Lebensraum. In eine Lebensfeindliche Welt des Chaos und der Leere schafft Gott einen wundervollen Garten.
Dieser Zustand endet mit dem Ungehorsam des Menschen gegenüber Gott. Das Wort, von dem sie bisher gelebt haben,
wird ihnen nach dem Sündenfall unheimlich: „Und sie hörten die Stimme Gottes, des Herrn, der im Garten wandelte
bei der Kühle des Tages. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des Herrn,“
(1.Mose 3,8).
Wie reagiert Gott? Er spricht wieder mit ihnen: er nennt den Menschen ihre Strafe, aber er lässt sie am Leben.
Irgendwie konnten sie davon ausgehen, dass sie, obwohl sie sich jetzt mit dem Tod konfrontiert sahen,
mit der Güte Gottes weiter rechnen konnten. (Die Sünde war nur möglich, weil Gott mit seinen
Geschöpfen nicht identisch ist. Sein Wohlwollen und liebevolles Interesse an ihnen zeigt sich darin,
dass er die Menschen nicht einfach getötet, sondern bestraft hat. Die Macht seines Wortes zeigt sich darin,
dass alles, was er ankündigt, Gutes wie Schlechtes, eintrifft.)
Von der langen Epoche, die sich hieran anschließt (deutlich über 2000 Jahre, also mehr als ein Drittel der Weltgeschichte bis heute!) berichten nur 11 Kapitel. Weder die Entstehung der frühen Kulturen wird näher beschrieben, noch werden die Heldengeschichten überliefert, die hier angedeutet werden. Man erfährt nichts über politische Konflikte, Staatswesen, Wirtschaft oder die Religionen. Wir erfahren nichts über die Hochkulturen dieser Zeit. Das ist umso bemerkenswerter, als der Rest des Buches Genesis – immerhin 39 Kapitel - lediglich einen Zeitraum von ca. 200 Jahren umfasst.
Die berichteten Ereignisse können in ihrer Bedeutung daher kaum überschätzt werden:
Als erstes wird der Brudermord Kains erzählt: Die beiden Söhne von Adam und Eva brachten Gott ein Opfer.
Aber Gott nahm nur das Opfer Abels an und nicht das Kains. Aus Neid tötet Kain seinen Bruder.
Gleich in der ersten Generation gibt es einen Brudermord. Und Kain steht unter dem Fluch Gottes:
„Verflucht seist du von dem Ackerboden hinweg, der seinen Mund aufgerissen hat, das Blut deines Bruders von deiner
Hand zu empfangen! Wenn du den Ackerboden bebaust, soll er dir nicht länger seine Kraft geben; unstet und
flüchtig sollst du sein auf der Erde!“
Es ist daher kein Zufall, dass das Nomadenleben in seinem Stammbaum entwickelt wird. Diese Entwicklung führte,
nach allem was man heute weiß, zu den anhaltenden Spannungen zwischen umherziehenden und sesshaften Menschen.
Die frühen Siedlungen mussten vor allem gegen räuberische Nomadenstämme geschützt werden,
die durch ihre Mobilität kaum zu fassen waren. So entstanden die frühen Städte.
Typisch für diese wie auch die folgenden Geschichten ist, dass sich einerseits das Wesen der Sünde zeigt,
gleichzeitig aber auch besonders folgenschwere Begebenheiten ausgewählt sind.
Wir blicken gleichsam in die geistlichen Abgründe einer gefallenen Welt.
Gott schenkt Adam und Eva einen weiteren Sohn: Set. Kain und Set sind die zwei Urväter der ersten Dynastien.
In der Linie Kains tauchen alle wichtigen kulturellen Errungenschaften auf, in der Linie Sets beginnt man den Namen
des Herrn anzurufen. Noah und seine Söhne sind die letzten Glieder in der Familie Sets vor der Flut.
Aber dazu später mehr.
In Kapitel 6 sehen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen und nahmen sich zur Frau, welche sie wollten.
Aus diesen Ehen entstanden die Helden der Vorzeit, von denen alte Kulturen viel zu berichten wissen.
In der Bibel werden diese ganzen Heldenleistungen übergangen und es klingt sehr ernüchternd, wenn Gott sagt:
„Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen.“
Wenn man den außerbiblischen Berichten auch nur halbwegs Glauben schenken darf, scheinen die Helden von den Menschen viel
leichter verehrt worden zu sein, als die vermuteten Götter, die immer sehr weit weg schienen.
Wenn es zum Konflikt mit den „Göttern“ kam, standen sie auf der Seite der Menschen.
Man kann nur erahnen, welche Bosheiten bei den Menschen aufgrund dieser Selbstüberschätzung entstanden,
so dass Gott sagte: „Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens
auslöschen...“
Genau dies geschieht dann durch die Sintflut. Gott rettet Noah und seine Familie, indem er ihnen den Auftrag gibt,
ein Schiff zu bauen. Nachdem die Flut versiegt ist, schließt Gott einen Bund mit Noah.
Aber die Bosheit macht auch vor diesen Menschen nicht halt: als Noah einmal so betrunken war, dass er nackt
in seinem Zelt lag, kam Ham, sah die „Blöße seines Vaters“ und erzählte es seinen Brüdern Sem und Japhet.
Die gingen mit dem Rücken voran zu ihrem Vater und deckten ihn zu.
Für dieses Verhalten verflucht Noah seinen jüngsten Sohn: „Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei
er seinen Brüdern!
Jafet und Sem werden gesegnet: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems; und Kanaan (Ham) sei sein Knecht!
Weiten Raum schaffe Gott dem Jafet, und er wohne in den Zelten Sems; und Kanaan sei sein Knecht!“
Diese Hervorhebung Sems bewahrheitet sich in Abraham. Die Deutschen stammen vermutlich aus der Linie Jafets.
In Kapitel 11 versuchen die frühen Menschen, Zusammenhalt und Stärke durch ein Monumentalbauwerk,
den Turm zu Babel, zu sichern. Dieses Einheitsbestreben unterbindet Gott gezielt, indem er die Sprachen der Menschen
aufspaltet. Dieses Ereignis ist sprachwissenschaftlich sehr gut abgesichert.
Man kann diese Begebenheiten in den ersten 11 Kapiteln auch als Reihe fehlgeschlagener Heilswege ansehen:
Genau darin unterscheidet sich die Urgeschichte von der „Kirchen- oder Heilsgeschichte“. Die Urgeschichte ist eine
Reihe Fehlgeschlagener Heilswege, auf die der Mensch nie wieder zurück darf:
- Eine perfekte Umwelt wie das Paradies wird den Menschen nicht davon abhalten, gegen den Willen Gottes zu sündigen.
(gegen Sozialismus und Materialismus)
- Die Vereinigung mit höheren Wesen verschlimmert die Lage nur noch. (Esoterik, alte Heldenverehrungen)
- Selbst wenn man alle Menschen töten würde bis auf einen Gerechten mit Familie, dann wäre das Böse
sofort wieder da. (Allmachtsphantasien)
- Es kann auch nicht das Ziel der Menschheit sein, die Zerstreuung zu überwinden (Begrenzung des Menschen ist
Begrenzung seiner Bosheit) (Europa)
Die Lage der Menschen war aussichtslos. Gott selbst musste eingreifen, wenn es für die Menschen noch Hoffnung geben sollte. Und mit diesem Eingriff beginnt die „Vätergeschichte“
Die Vätergeschichte, also die Geschichte der Väter Israels, beginnt mit dem Wort: „Und der Herr sprach“
zu Abram. Hier beginnt eine zweite Erschaffung: der Beginn der Kirche oder dem Volk Gottes. Ihr Anfang liegt wie der
Anfang der Schöpfung im Wort Gottes.
Das Buch Genesis endet mit dem Zug Jakobs, der dann „Israel“ heißt, nach Ägypten. Hier erst wird aus einer Familie
ein Volk. Ab dem zweiten Buch Moses erscheint Israel dann als Volk. Der Bericht umfasst also die ersten Anfänge
dieser jungen Kirche.
In den Geschichten von Abraham, Isaak, Jakob und Josef zeigt sich, dass das Wort, durch das Gott die Welt erschaffen hat, auch die Kirche schafft und erhält. Und wie sich darin Erwählung und Wohlwollen Gottes gegen seine Gemeinde ausdrückt. Die Menschen sind nicht die Voraussetzung für die Beziehung zu Gott, sondern finden sich immer schon in ihr vor. Gott erschafft seine Kirche souverän, ohne menschliches Zutun:
Abraham stammt aus Ur in Südbabylonien, wo er der Vielgötterei anhing (Jos. 24,2).
Das Wort Gottes erging also an einen Götzendiener. Vergleichbar mit dem Wort Gottes an die wüste und leere Erde,
Licht hervor zu bringen.
„Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das
Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einer großen Nation machen … In dir sollen gesegnet werden alle
Geschlechter der Erde!“ (1.Mose 12,1f)
Und später:
„Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt“ (Röm. 4,17f).
Es gab keinen Grund, sich für Abram zu entscheiden, Gott erwählte ihn, um seine Güte an ihm und seinen
Nachkommen zu zeigen und jeden Gedanken an ein Verdienst auszuschließen.
Gott gab Abraham die Verheißung, Vater einer großen Menge zu sein. Diese Verheißung ist an keine Bedingungen geknüpft; der Bund, den Gott mit Abraham schließt ist ein einseitiger Bund, Abraham ist hier lediglich Zuschauer. Schon an dieser frühen Stelle zeigt Gott seine Heilsabsichten für alle Völker und er setzt bei Abraham allein auf den Glauben an das Wort: „Und er glaubte dem Herrn; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Als Abraham trotz der Verheißung keinen Sohn bekam, versuchte er, der Verheißung nach zu helfen, indem er mit Sarahs
Magd einen Sohn zeugte. Bei der Geburt Ismaels, der aus dieser Verbindung entstand, war Abraham 86 Jahre alt. Wie viele
Jahre seit der Verheißung vergangen sind, ist schwer zu sagen, aber bis zur Geburt Isaaks, des verheißenen Sohnes,
dauerte es noch 14 Jahre.
Man kann dieses Verhalten Abrahams als Halbglauben ansehen: einerseits hofft er auf Gottes Verheißung andererseits
traut er Gott nicht zu, die Verheißung auch zu erfüllen. Wie reagiert Gott? Er verwirft Abraham nicht. Aber er
schickt die Magd mit ihrem Sohn in die Wüste. Damit erteilt er dem Angebot Abrahams, zur Kooperation eine klare
Absage und verweist ihn auf sein Wort als einzige Hoffnung. Gottes Kinder sollen nicht von der Sklavin abstammen,
sondern von der freien. Denn wir werden nicht durch Pläne von Menschen in Gottes Reich aufgenommen sind, sondern
allein durch Gottes Wahl.
An den Schicksalen von Isaak und Ismael zeigt Gott, dass leibliche Nachkommenschaft weder Garantie noch Voraussetzung
für die Zugehörigkeit zur Kirche ist – auch im AT!
Schließlich erhalten Abraham und Sara den von Gott versprochenen Erben. Später erhält Abraham den Befehl, Isaak zu opfern – und gehorcht. Jetzt zeigt er den Gehorsam, der Gott gefällt: selbst wenn alles dagegen spricht und ein Mensch keine Möglichkeit sieht, wie Gott seine Verheißung erfüllen kann, hält er doch an Gottes Wort fest, in dem festen Glauben, dass der Tod Gottes Verheißung nicht im Weg steht. Hier zeigt sich nebenbei ein ganz starkes Zeichen dafür, dass im AT selbstverständlich der Glaube über den Tod hinausging! „Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den einzigen Sohn dar, über den gesagt worden war: „In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden“, indem er dachte, dass Gott auch aus den Toten erwecken könne, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.“ (Hebr. 11, 17f).
An diesen beiden Söhnen kann man den feinen Unterschied zwischen Werkegerechtigkeit und Gehorsam erkennen: In den Werken drückt ein Mensch sein grundsätzliches Interesse an Gottes Heilszusage aus, traut ihm aber nicht zu, für dieses Heil auch zu sorgen und schlimmer: er traut es sich selbst sehr wohl zu. Der Gehorsam ist dagegen ein Ausdruck des uneingeschränkten Vertrauens in Gott.
Und gemäß der Verheißung wird der Glaube tatsächlich bei Isaak bewahrt, der damit zu einem der Stammväter Israels wurde.
Denn das später hinzugefügte Gesetz hebt die Verheißung nicht auf. Die Christen können sich also auf
den Bund Gottes mit Abraham berufen. Der Bund ist einseitig und kann, wie jeder Bund, nicht aufgelöst werden.
Er durchzog das gesamte Gebiet, des späteren Israels.
Bei seiner Flucht nach Ägypten gibt Abraham seine Frau als seine Schwester aus. Dies wiederholt sich bei ihm und später bei Isaak.
Bibelstellen: Jos.24,2bf: Jenseits des Strohms haben eure Väter vorzeiten gewohnt, Terach, der Vater Abrahams
und der Vater Nahors, und sie dienten andern Göttern. Und ich nahm euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und
ließ ihn im ganzen Land Kanaan umherziehen, und ich mehrte seine Nachkommen und gab ihm Isaak.
Jes. 51,1f: Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herrn sucht! Blickt hin auf den Felsen,
aus dem ihr gehauen und auf den Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben seid! Blickt hin auf Abraham, euren Vater, und auf
Sara, die euch geboren hat! Denn ich rief ihn als einen einzelnen, und ich segnete ihn und mehrte ihn. Denn der Herr
röstet Zion, tröstet alle seine Trümmerstätten. Und er macht seine Wüste wie Eden und seine
Steppe wie den Garten des Herrn. Jubel und Freude findet man darin, Lobpreis und Stimme des Gesanges.
Jes. 41,8: Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes, du,
den ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, zu dem ich sprach: Mein Knecht
bist du, ich habe dich erwählt und nicht verworfen – fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Habe keine Angst,
denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit.
Gal. 4,22-25 Hagar und Sarah.
Isaak war mit Rebecca verheiratet und die beiden bekamen zwei Söhne: Esau und Jakob. Isaak liebte Esau, den
Älteren, und wollte ihm den Erstgeburtssegen geben. Und das obwohl Gott ausdrücklich gesagt hatte: Der
Ältere wird dem Jüngeren dienen. Rebecca liebte Jakob.
Aber Jakob erhielt den Segen nach dem Wort Gottes. Allerdings gelangt er durch einen Trick seiner Mutter Rebekka an den
Segen. Wenn man die Geschichte liest, kann man sich nur die Haare raufen: der blinde Isaak will Esau segnen. Aber Jakob
und seine Mutter Rebecca betrügen ihn, indem sie Jakob einen Mantel von Esau umlegen und ein Fell um die Arme binden.
Diese Verkleidung macht Isaak zwar stutzig, aber letztlich lässt er sich überzeugen, weil er den Geruch von
Esaus Mantel wahrnimmt: Bei der wichtigsten Entscheidung seines Lebens verlässt er sich auf seinen unsichersten und
subjektivsten Sinn – seine Nase.
Gott raubt seiner Kirche jede falsche Sicherheit: Weder das traditionelle Erbrecht, oder eine patriarchale Sukzession
bilden das Gerüst der Kirche. Die einzige entscheidende Größe für die Entstehung der Kirche war Gottes
Verheißung: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.
Es bahnt sich einen Weg durch alle falschen Stützen der Kirche: weder der Patriarch, noch die natürliche
Geburtenfolge waren für den Gang der Kirchengeschichte richtungweisend.
Sobald er den Segen erhält, ist Jakob die Hauptfigur der weiteren Erzählungen.
Jakob flieht nach dem Betrug zu seinem Onkel Laban. Unterwegs erscheint ihm Gott sieben mal und bestätigt die
Verheißung seines Großvaters. Gott lässt auch in der zweiten Generation seine Kirche nicht im Unklaren über
seine Heilsabsichten.
Laban betrügt ihn und gibt ihm die falsche Tochter zur Frau. Durch einen bloßen menschlichen Trick ist hier jemand
in den Stammbaum geschmuggelt worden.
Zwischen dieser Frau und der Frau, die Jakob wirklich liebte und ebenfalls heiratete, entspann sich ein bizarrer
Wettkampf – man kann es eigentlich nicht anders als ein „Wettgebähren“ nennen, bei dem dann auch noch die
Mägde der beiden Frauen eingespannt wurden. Auf diesem Weg der eigenwilligen Familienplanung kommt Jakob zu
zwölf Söhnen, neben einer unbekannten Zahl von Töchtern. So entstanden die Väter der Stämme
Israels.
So wie Gott es ihm verheißen hatte, kam er nach seiner Flucht und dem jahrelangen Aufenthalt bei seinem Onkel Laban
wieder wohlbehalten in seine Heimat zurück. Aber bevor er wieder nach hause konnte, musste er über die Furt
des Jabbok. Und an dieser Furt rang Gott in Gestalt eines Menschen mit ihm bis zur Morgenröte. Und als Gott sah,
dass er ihn nicht überwältigen konnte, verrenkte er Jakobs Hüftgelenk und wollte gehen. Aber Jakob sagte:
Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du hast mich vorher gesegnet. Diese Geschichte bringt das Wesen und das Schicksal
Jakobs auf den Punkt: Erst kämpft Jakob um die Verheißung – in diesem Fall die Rückkehr in seine Heimat.
Das ganze Leben hindurch kämpft Jakob für irgendwelche Dinge, die ihm ohne dies von Gott geschenkt waren
(die Rückkehr, seine Vorrangstellung vor Esau, Fruchtbarkeit der Schafe). In dieser Haltung war er der Prototyp
des spitzbübischen Israel (Hos. 12,5), das die Güte Gottes so schwer begriffen hatte.
Aber hier lässt Gott ihn nicht durch, bis Jakob lernt, dass er gegen Gott nicht kämpfen kann und nicht
kämpfen muss. Denn dieser erstaunliche Kampf endet mit der Bitte um den Segen. Das stille Vertrauen auf das
Wort war nicht seine Stärke. In diesem Kampf zeigte sich, dass er letztlich doch wusste, wem er alles zu verdanken
hatte und von wem er alles zu erhoffen hatte.
Jakobs Söhne waren böse Männer, über deren Schandtaten es offenbar Gerede gab. Sollte Gott mit
seinen Verheißungen die Puste ausgegangen sein, dass nach der 3. Generation bereits der Abfall von Gott kam?
Das &Uunl;bel gipfelte schließlich darin, dass sie ihren eigenen Bruder Josef, den einzigen, der an diesen Bosheiten
keinen Anteil hatte, töten wollten und sich letztlich nur aus pragmatischen Gründen dagegen entschieden und
ihn als Sklaven verkauften. Josef wird dadurch zu einem Bild für Jesus, der ebenfalls aus Neid unschuldig von seinen
eigenen Brüdern zum Tod ausgeliefert wurde.
In Ägypten erlebt Josef das, was bis heute zu den beliebtesten Geschichten des AT gehört: Er wird als Gerechter
ins Verlies geworfen – eine Analogie zum Tod Jesu. Hier trifft er einen Mundschenk und einen Bäcker –
hier erscheinen die Symbole „Brot“ und „Wein“. Und steigt von dort auf zum zweitmächtigsten Mann Ägyptens.
In dieser Funktion verwaltet er die vollen Kornspeicher, von denen die ganze Welt lebt – wenn das kein Bild für
das Evangelium ist!
Jakob wurde währenddessen von Gott jahrelang in furchtbarer Trauer um seinen Sohn Josef gehalten.
Gott ließ ihn in dieser Trauer, aus der er ihn so leicht hätte befreien können.
Dadurch gab er ihm aber den unglaublichen Vorausschatten einer Auferstehung, als er dann vor seinem tot geglaubten Sohn
stand.
Durch Josef schuf Gott seiner Kirche eine Rettung, die in ihrer Bedeutung weit über die Errettung seiner Familie
ging. Josef selbst ruft seinen Brüdern das zu, was so oder ähnlich auch Jesus zu uns sagen könnte:
„Tretet doch zu mir heran! […] Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun seid nicht
bekümmert, und werdet nicht zornig auf euch selbst, dass ihr mich hierher verkauft habt! Denn zur Erhaltung des
Lebens hat Gott mich vor euch her gesandt. Denn schon zwei Jahre ist die Hungersnot im Land, und es dauert noch
fünf Jahre, dass es kein Pflügen und Ernten gibt. Doch Gott hat mich vor euch her gesandt, um euch einen
Überrest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung. Und nun, nicht ihr habt
mich hierher gesandt, sondern Gott; […] Gott hat mich zum Herrn von ganz Ägypten gemacht.“
Die Familie Josefs war nur ein Überrest, der erhalten bleiben sollte, damit es zu einer großen Errettung komme.
Dieses große Wort wurde nach meiner Einschätzung erst mit Jesus erfüllt.
Aber so großartig dieses Bild ist: auch Josef war nicht der Lenker dieser Geschichte, sondern Gott – das macht er in dem
zitierten Text ganz deutlich.
Ebenfalls wird deutlich, dass Gott die Geschichte seiner Kirche nicht nur in der Hand hält, sondern sie diese auch
so weit wissen lässt, dass sie nicht verzweifelt und an Gott irre wird.
Gott verhält sich hier wie der Hirte seiner Gemeinde. Er hält nicht nur sein Wort, sondern er will auch die
Gemeinde in dem Vertrauen auf dieses Wort stärken, auch wenn von der Verheißung wenig und von menschlicher
Schwäche sehr viel zu sehen ist. So tröstet, ermahnt und ermutigt er uns.
Das erste Buch der Bibel ist in gewisser Weise eine Ausführung des Johannesprologs, wo es heißt:
„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.
In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis
hat es nicht erfasst.“
An beiden Stellen werden die wesentlichen Eigenschaften dieses Wortes beschrieben: Das Wort geht allem voraus, alles entsteht durch das Wort – ohne menschliches Mitwirken.
Aber es ist keine geheime Kraft, die im Dunkeln die Fäden zieht, sondern nimmt Kontakt auf zu den Menschen und
wohnte sogar unter ihnen.
Diese Kennzeichen von Gottes Heilshandeln durch sein Wort, kann man sehr deutlich am Buch Genesis zeigen:
So wie Gott aus dem Nichts die Welt durch sein Wort hervorbringt, so entsteht auch sein Volk durch sein Wort. Und seine
Verheißung zieht sich durch die Geschichte und kein Mensch kann ihr etwas hinzufügen oder etwas wegnehmen.
Diese Geschichte endet mit dem Bild einer großen Errettung, mit der Gott seiner jungen Kirche Mut macht und sie
geistlich und leiblich am Leben erhält und die Hoffnung auf eine große Errettung in Aussicht stellt.