Durch
die Einholung der Bundeslade nach Jerusalem, machte David die Stadt zu dem
religišsen Zentrum Israels. Hier muss man allerdings anmerken, dass Gott seinen
Wohnort selbst wŠhlt. David musste sich hier in einem tiefen EinverstŠndnis mit
Gott gewusst haben, denn es gibt zahlreiche Beispiele dafŸr, was geschah, wenn
die Bundeslade in die falschen HŠnde geriet und an die falschen Orte gefŸhrt
wurde Ð Krankheit und Tod waren die Folge. Aus diesem Grund hatte die
Bundeslade schon einige Reisen hinter sich, weil die Menschen immer wieder
verzweifelt versuchten, sie los zu werden. Und auch ihre Reise nach Jerusalem
gelang erst mit dem zweiten Anlauf. Beim ersten Mal wurde sie nicht
vorschriftsgemЧ transportiert: statt sie auf den Schultern von vier Leviten
tragen zu lassen (4.Mose 4,15; 7,9), stellte man sie auf einen neuen Wagen, der
von einem Rindergespann gezogen wurde. Die Anweisung, die Lade auf den
Schultern zu transportieren diente dazu, sie nicht berŸhren zu mŸssen. Das wŠre
sowohl beim Verladen nštig, aber vermutlich musste auch sonst immer mal wieder
Hand an verrutschende GepŠckstŸcke gelegt werden Ð schlie§lich waren die Wagen
nicht gefedert. Aber die Bundeslade war kein GepŠckstŸck, Ÿber das man wie Ÿber
den Ÿbrigen nŸtzlichen aber sperrigen Ballast verfŸgen konnte, sondern die
Gegenwart der Kraft Gottes. Nicht Tiere sollten ihr dienen, sondern Menschen.
In ihrer Behandlung glich sie dem Kšnig eines Volkes, der dorthin getragen
wird, wo er es will, der nicht einfach wie ein MšbelstŸck angefasst werden darf
und hoch Ÿber die Menschen hinausragt. Aber dieses Empfinden fŸr die Heiligkeit
Gottes schien David und seinen Helfern všllig gefehlt zu haben (und offenbar
sah hauch niemand die Notwendigkeit, mal nachzulesen). Der erste Umzug war
nŸchtern betrachtet die VerfŸgung eines Monarchen, das Kultzentrum in die
Regierungshauptstadt zu verlegen.
David
und das ganze Volk tanzten vor dem Herrn. Und dann geschah, was geschehen
musste: Irgendwann gingen die Rinder durch und die Lade drohte zu stŸrzen. Als
Usa, einer der WagenfŸhrer, seine Hand nach der Lade ausstreckt, um sie zu
stŸtzen, ãentbrannte der Zorn des Herrn gegen Usa und Gott schlug ihn dort
wegen der Unehrerbietigkeit. Und Usa starb dort bei der Lade des Herrn.Ò
(2.Sam. 6,7).
Der
Schock sa§ tief, nicht zuletzt, weil er vermutlich genau wusste, das jeder
andere aus dem Zug vielleicht ebenso gehandelt hŠtte. Er merkte, dass hier
irgendetwas grundsŠtzlich falsch gelaufen ist, sieht aber nicht recht, was.
ErschŸttert fragte er:
ãWie
soll die Lade des Herrn zu mir kommen?Ò (2.Sam.6,9).
Und in gewisser
Weise beantwortete er die Frage gleich selbst:
ãUnd
David wollte die Lade des Herrn nicht zu sich in die Stadt Davids bringen
lassen. Und David lie§ sie beiseite schaffen in das Haus Obed-Edoms, des
Gatiters.Ò (2. Sam.6,10)
Der
Kšnig von Israel sah sich nicht in der Lage, die Bundeslade nach Jerusalem zu
holen. Und er hatte všllig Recht: Aber wenn Gott im Haus des einfachen frommen
Gatiters wohnt, schŸttet er seinen Segen darŸber aus.
Als
er sah, dass Gott dieses Haus dafŸr gesegnet hatte, erkannte David darin wieder
Gottes GŸte und, freute sich und war ermutigt, es noch mal zu versuchen.
Diesmal wurde die Lade getragen und jedes Mal, wenn die TrŠger der Lade sechs
Schritte gegangen waren, opferte David einen Stier und ein Mastkalb. Die Zahl 6
steht fŸr die Schšpfung, die jetzt gefallene Schšpfung ist. Die 7 steht fŸr die
Ruhe und Vollendung bei Gott und kann von dem gefallenen Menschen nur durch
Opfer erreicht werden.
ãUnd David tanzte mit aller Kraft vor dem Herrn,
und David war mit einem leinenen Efod gegŸrtet. So brachten David und das ganze
Haus Israel die Lade des Herrn hinauf mit Jauchzen und mit Hšrnerschall.Ò
(2.Sam.6,14f)
Ich
bin auf diesen Zwischenfall etwas ausfŸhrlicher eingegangen, weil er deutlich
macht, dass David keineswegs ein religišses Zentrum bestimmen und sich selbst
damit womšglich zum ReligionsgrŸnder aufschwingen konnte.
Die
Wahl Jerusalems war Gottes Wahl, und dies wird immer wieder in Psalmen zum
Ausdruck gebracht (z.B. Ps. 78,68f; 87,2 Ð ganz 87)
Diesen
Einzug nach Jerusalem mussten die Menschen an ãPalmsonntagÒ im Kopf gehabt
haben, als sie Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem zuriefen:
ãHosanna dem Sohn Davids! Gepriesen sei, der da
kommt im Namen des Herrn! Hosannna in der Hšhe!Ò (Mt. 21,9f)
Und
sowohl David wie auch Jesus kamen nicht als MŠchtige, sondern ohnmŠchtig: Jesus
ritt auf einem Esel, David demŸtigte sich, indem er nur mit einem
priesterlichen Leinen-Schurz bekleidet vor dem Festzug tanzte. David trat
zweimal als Priester auf: hier als priesterlicher SŠnger und vorher, als er die
Schaubrote a§, die nur die Priester essen durften. Dieses Priesteramt hat er
nach der Ordnung Melchisedeks, der auch au§erhalb der geregelten Ordnung als
Priester rechtmЧig diente. Nach dieser Ordnung gibt es au§er Melchisedek nur
zwei Priester: David und Jesus.